Der Held in unseren Reihen – Daniel Mikulic – Stammzellenspender

Eines Morgens kam unser Kollege Daniel Mikulic mit tollen Neuigkeiten ins Büro: die AKB (Aktion Knochenmarkspende Bayern) hatte ihn als geeigneten Stammzellenspender für eine totkranke Person ausgemacht. Wir waren alle total überrascht, ergriffen und begeistert. Die Wahrscheinlichkeit, dass man als Spender für eine fremde Person geeignet ist, ist ziemlich gering, umso mehr hat uns diese gute Nachricht erfreut. Aber zugleich stellten wir uns – und letztendlich auch Daniel – viele Fragen: Wie läuft sowas überhaupt ab? Ist es schmerzhaft für den Spender? Wie lange fällt man aus? Und und und… Mit all diesen Fragen haben wir Daniel sofort gelöchert. Anfangs wusste auch er nicht recht, was auf ihn zukam.

Die Spende liegt nun schon einige Wochen zurück und Daniel ist inzwischen ein regelrechter Experte beim Thema Stammzellenspende. Und weil Daniel der „Held des Jahres“ für uns alle ist, habe ich ein Interview mit ihm geführt und ihn nochmal so richtig zu dem Thema ausgequetscht. Wer weiß, vielleicht haben wir ja auch mal die Chance zu spenden….

 

Wie wird man überhaupt Stammzellenspender?

Mein Bruder hat mich auf eine Typisierungsaktion in unserer Stadt aufmerksam gemacht. Dort wurde mir per Speichelprobe DNA entnommen. Das geht super schnell und tut nicht weh. Nach 5 Minuten war die Typisierung vorbei. Danach hatte ich schon ein richtig gutes Gefühl, so als ob ich damit etwas Gutes bewirken könnte. Allerdings sollte dies noch 8 Jahre dauern.

Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass du ein geeigneter Spender bist?

Im ersten Moment war ich geschockt. Doch dann habe ich mich sehr gefreut, dass ich mit meinen Stammzellen jemandem das Leben retten kann.

Braucht man als Spender bestimmte Voraussetzungen?

Grundsätzlich muss man körperlich gesund sein und darf nicht älter als 61 Jahre sein. Außerdem darf man nur 2x in seinem Leben spenden. Vor der Spende werden dann viele medizinischen Tests durchgeführt. Die Krankenakte wird auf mögliche Vorbelastungen überprüft und es wurde mir so viel Blut entnommen, wie in meinem ganzen Leben noch nicht.

War es für dich selbstverständlich, dass du zusagst, oder hattest du anfangs Bedenken?

Nein, ich hatte überhaupt keine Bedenken. Für mich war es klar, dass ich spenden und Leben retten werde.

Wie sieht der Papierkrieg aus?

Oh Gott, schlimm, wirklich schlimm. Man muss seitenweise Formulare und Fragebögen ausfüllen, gefühlt vor, während und nach der Stammzellenspende.

Wie läuft die Stammzellenspende genau ab?

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten der Stammzellenspende. Einerseits die Konchenmarkentnahme aus dem Becken unter Vollnarkose. Andererseits die Entnahme der Stammzellen aus dem zuvor angereicherten Blut mittels eines sogenannten Zellseparators. Welche Methode durchgeführt wird, entscheidet der Arzt. Bei mir wurden die Stammzellen aus dem Blut entnommen.
Bevor dies allerdings geschehen kann, muss man sich fünf Tage lang 2x täglich Spritzen geben. Diese reichern die Stammzellen im eigenen Blut an. Das geht leider auch mit erheblichen Nebenwirkungen einher. Nach der dritten Spritze lag ich mit grippeähnlichen Symptomen und höllischen Kopfschmerzen zu Hause. Vor der eigentlichen Spende wird noch einmal Blut entnommen und die Anzahl der Stammzellen überprüft. Ist die Konzentration der Stammzellen im Blut hoch genug, kann es mit der Spende losgehen.
Hierfür wird man an einen Apparat angeschlossen, ähnlich wie bei der Dialyse. Man liegt mit ausgestreckten Armen im Bett, während das Blut aus dem einen Arm entnommen wird. Die Stammzellen werden in der Maschine separiert und das restliche Blut fließt wieder in den anderen Arm hinein. Dabei darf man sich nicht bewegen. Ich konnte noch nicht mal lesen, weil ich keine Hand frei hatte. Die Prozedur zieht sich je nach Filtrationsergebnis über mehrere Stunden. Bei mir war es Gott sei Dank schon nach drei Stunden vorbei. Anschließend muss man erneut eine Untersuchung machen, ob der Körper alles gut überstanden hat.

Ist die Spende schmerzhaft?

Nein, die Spende an sich ist nicht schmerzhaft. Lediglich einige Tage vorher, an denen man sich selbst Spritzen geben muss, fühlt man sich krank. Der Körper braucht auch noch einige Tage nach der Spende, bis sich die Stammzellen im Blut wieder normalisiert haben, doch das geht schnell vorüber.

Ist man während dieser Zeit krank geschrieben, bzw. wer trägt die Kosten?

Man ist weder krank geschrieben, noch übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Die AKB zahlt sämtliche Arztbesuche und erstattet auch den Arbeitsausfall.

Erfährst du, wem du geholfen hast bzw. möchtest du es überhaupt erfahren?

Ja, ich möchte es auf jeden Fall erfahren. Bei der Nachuntersuchung kann man angeben ob man den Empfänger kennen lernen möchte, wenn dieser ebenfalls einwilligt, kann man sich treffen.
Anmerkung: Ob man sich kennen lernen darf hängt allerdings von der rechtlichen Situation im jeweiligen Land ab. Die Spenden werden weltweit vergeben und manche Länder erlauben überhaupt kein oder nur ein anonymes Kennenlernen.

Würdest du wieder spenden?

Ja, sofort.

Was war dein schönster und dein schlimmster Moment?

Der schönste Moment war, als der Anruf kam und mir gesagt wurde, ich sei als Spender geeignet. Einen schlimmsten Moment gab es eigentlich nicht. Es gab einige schlechte Momente, ABER dann habe ich mir immer gesagt, da draußen liegt einer, dem geht es viel schlechter als dir, also reiß dich zusammen.
Außerdem muss man ca. 10 Tage vor der Spende seine finale Einwilligung geben, ab diesem Zeitpunkt gibt es kein Zurück mehr, da der Empfänger mit Chemotherapie auf die Spende vorbereitet wird und körperlich soweit runtergefahren wird, dass er ohne die Spende nicht mehr überleben würde.

Was hat sich seit der Spende für dich persönlich verändert?

Ein anderer Mensch bin ich nicht geworden, aber ich habe gelernt die Dinge anders zu betrachten. Man sollte das eigene Leben mit all seinen Problemen nicht so ernst nehmen und sich von den kleinen Stolperfallen des Lebens nicht stressen lassen. Auch wenn man einmal krank ist, das Leben geht weiter.

 

Im Laufe des Gesprächs ist mir eine Sache klar geworden, Daniel ist bescheiden, er sieht sich nicht als Held, sondern einfach als hilfsbereite Person. Ich finde es toll, mit welcher Selbstverständlichkeit Daniel gespendet hat und hoffe, dass sich viele daran ein Beispiel nehmen. Ein Satz, den er heute gesagt, hat mich besonders berührt: „Wenn man sowas mitmacht und erlebt, relativieren sich alle Kleinigkeiten, über die man sich tagtäglich aufregt.“ Und damit hat er vollkommen Recht. Wir sollten nicht so viel schimpfen, sondern uns an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen.

Lieber Daniel, das gesamte APC-Team und sicher auch der unbekannte Empfänger ziehen den Hut vor dir und bedanken sich bei dir für deinen Mut und deine Entschlossenheit Leben zu retten. Wir hoffen alle für den Empfänger der Spende, dass er bereits auf dem Weg der Besserung ist. Du, Daniel, bist unser Held.

Für alle die nun mutig geworden sind, registrieren Sie sich einfach online unter https://www.dkms.de/de/spender-werden. Tut nicht weh, macht glücklich und am Ende rettet es vielleicht Leben. Ich für meinen Teil bin bereits registriert und wer weiß, wann ich als Spender gebraucht werde. Ich stehe auf jeden Fall zu Verfügung.

Autorin: Lisa-Marie Brandl